Laudismonte

Projekte

Kalendariographie

Annotierter AGM-Kalender

AGM-Taschenkalender 2022, Cover
Cover VD 2022
(Motiv: Roland Mertens)
AGM-Taschenkalender 2021, Cover
Cover VD 2021
(Motiv: Franz Hüllenkremer)

Der AGM-Kalender ist ein Projekt im Arbeitskreis Geschichte Mausbach e.V. Dabei handelt es sich um einen Taschenkalender, der orts- und regionalhistoriographisch und volkskundlich (bezogen auf die Stadt Stolberg (Rhld.), die Städteregion Aachen und das westliche Rheinland), topozentrisch astronomisch und meteorologisch annotiert ist, mithin auch der Entschleunigung dient und zugleich ein praktisches Every-Day-Carry im Format DIN A6.

Der AGM-Kalender ist ein Periodikum, ein "historischer Kalender", dessen Jahrgänge sich in der historiographisch/kulturhistorischen Annotierung unterschiedlichen Themen widmen. Die Strukturierung mit kurzen Memoranden, eingestreuten Essais sowie Bildern erlaubt den Vereinsmitgliedern eine Beteiligung nach jeder Begabung.

Bisher sind erstellt:

Kalender 2022 "Bräuche und Volksglauben im Jahreskreis"
An den Festen und Gedenktagen nach spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen Kölner Missalen orientierte Darstellung und Herleitung von Bräuchen im westlichen Rheinland, historische Zeitrechnung. — Wochenkalender mit Jahresplaner, Jahreskennzeichen, Himmelsereignisse, Wetterkalender, Planetenkalender, Phänologischer Kalender, Dauerkalender, Glossen und Aufsätze, Adressen der Museen und Geschichts- und Kulturvereine im westlichen Rheinland. — DIN A6 hoch, 209 Seiten.
Kalender 2021 "Auf dem Zeitpfeil von der Römerzeit bis gestern"
Ereignisgeschichte und Zeitgeist in den fünf Dörfern der ehemaligen Gemeinde Gressenich (heute Stadt Stolberg, Rhld.), Basisdaten, Toponymie. — Wochenkalender mit Jahresplaner, Jahreskennzeichen, Himmelsereignisse, Planetenkalender, Dauerkalender, Sehenswürdigkeiten, Glossen und Aufsätze. — DIN A6 hoch, 174 Seiten.

Biedermeier und Vormärz im alten Landkreis Aachen

Neuere Geschichte 1815 - 1847

Karl Eduard Biermann: Borsig's Maschinenbauanstalt. Berlin 1847. Öl auf Leinwand, 110 x 116,5 cm
Karl Eduard Biermann (1847): Borsig's Maschinenbauanstalt. Öl auf Leinwand. Contumax/Yorck Project

Die Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Märzrevolution 1848/49 gehört zu den spannungsreichsten der deutschen Geschichte: Immens beschleunigte politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Veränderungsprozesse in einem Klima von Verfolgung und Unterdrückung und Not stießen auf starke Beharrungskräfte und schließlich auch auf das "umhergehende Gespenst des Kommunismus" (Karl Marx/Friedrich Engels, 1848). "Aufbruch aus der Behaglichkeit" (Gerhard Schildt, 1989) oder "Ende der Wildnis" (Rainer Beck, 2003) sind Charakterisierungen, auf die im Biedermeier mit einer Flucht in die Innerlichkeit, im Vormärz mit Liberalismus reagiert wurde. Unterdessen wurden mit der Industrialisierung Entwicklungen begründet, die aus heutiger Sicht "die Menschheit in ihrer Existenz bedrohen" (Stephen Hawking 2016, 2018 in der BBC).

Mit dem Projekt wird aus Literatur und eigener Quellenforschung eine Milieudarstellung und Charakterzeichnung für den alten Landkreis Aachen und mithin früheste Industrieregion Deutschlands versucht. Ausgangspunkt ist das Elendsjahr "Achtzehnhundertunderfroren", 1816, das "Jahr ohne Sommer", von dem besonders notleidend die Eifel betroffen war, in dessen Folge aber auch z.B. skurrile Veränderungen im Tageslicht auftraten, die sich u.a. auf bildende Kunst und Mode auswirkten. Endpunkt ist das "unruhige Dreieck Stolberg, Verviers, Eupen" (Annemarie Haase, 2000) und die sich um 1850 verfestigte Industrialisierung.

Das Projekt habe ich beim Arbeitskreis Geschichte Mausbach e.V. verortet. Der Verein betreibt das "5-Dörfer-Archiv", in dem "Memorabilien aus allen fünf Dörfern der ehemaligen Gemeinde Gressenich, d.h. den Orten Gressenich, Mausbach, Schevenhütte, Vicht und Werth" gesammelt werden. Die bis 1972 (Aachen-Gesetz) selbstständig bestehende Gemeinde Gressenich war flächenmäßig (41,32 qkm) die größte ihrer Art im alten Landkreises Aachen.

Fotogeschichte

Inszenierte Ausschnitte aus der Realität

Caritas in Stiefeln, Winterhilfswerk 1937/38 in Eschweiler
Caritas in Stiefeln, Winterhilfswerk 1937/38 in Eschweiler.
Foto: Alfred Englaender. Bildquelle: Eschweiler Geschichtsverein.

Unter technischen Aspekten bezeichnet "Fotogeschichte" die Geschichte von der Entwicklung der Fotografie, von der Entdeckung der Camera obscura und der Laterna magica, vom Nachweis der Lichtempfindlichkeit von Silbernitrat über das erste bekannte Direktpositiv bis zur Digitalfotografie. Fotogeschichte befasst sich aber auch mit der Organisationsgeschichte des Mediums Foto, seines Gebrauchs und seines Missbrauchs. Denn Fotos sind Artefakte und können inzenierte Realitäten liefern, Ausschnitte aus der Realität wie der Fotograf sein Publikum die Realität sehen lassen will.

Den Anschein hinter dem Schein eines Fotos zu erkennen, ist ein Beweggrund, mich mit Fotogeschichte zu befassen. Der andere ist die Faszination, aus Bilddetails und unter Zuziehung von Sekundärquellen komplexere Zusammenhänge aus einem historischen Foto als auch Realitätsfälschungen zu erschließen.

Mein erster Playground war die Bildstelle des Eschweiler Geschichtsvereins, wo ich rund 1000 Fotos untersucht habe, darunter alle bis 2017 auf der Website des Eschweiler Geschichtsvereins erschienenen historischen Fotos, zu denen ich auch die Texte verfasste (z.B. die in der Mediathek des Eschweiler Geschichtsvereins per 20. April 2020). Daraus folgte eine engere Eingrenzung des Themas auf die 1920er- bis 1960er-Jahre, dem ich nunmehr u.a. im 5-Dörfer-Archiv des Arbeitskreises Geschichte Mausbach e.V. nachgehe.

Eine Veröffentlichung aus dieser Arbeit findet sich hier:
Unheimliche Idylle: Heimat-Fotografie als NS-Bildpropaganda und ihre Rezeption

Umweltgeschichte

Undisziplinierte Studien

Heutige Umweltprobleme stellen komplexe Zusammenhänge dar, zu deren Entschlüsselung alleine aktualistische und technische Betrachtungen zu kurz greifen. Hier ist auch die historische Forschung gefragt, um zur Erklärung dieser Zusammenhänge beizutragen und daraus für eine nachhaltigere Zukunft zu lernen. So dient die Historische Klimatologie, also die Erforschung von Vergleichsdaten (historische Wetter-, Witterungs- und Klimaabfolgen) nicht nur der Unterstützung der Geschichtswissenschaften im Hinblick auf soziale Folgen und Wechselwirkungen, sondern auch der Analyse von Extremen und Wiederholbarkeiten und damit der Beurteilung prognostizierter Klimaänderungen. Die ist heute auch auf lokaler Ebene von vitalem Interesse, liefern doch historisch-klimatologische und historisch-hydrologische Vergleichsdaten wichtige Informationen für die Aufgaben der kommunalen Selbstverwaltung – für die Bauleitplanung, die Straßen- und Straßenverkehrsplanung und nicht zuletzt für die Unterhaltung der Gewässer und die Planung von Entwässerung, sowie für Land- und Forstwirtschaft.

Dreifelderwirtschaft im LVR-Freilichtmuseum in Lindlar. Foto: Haro von Laufenberg
Dreifelderwirtschaft, Modell im LVR-Freilichtmuseum in Lindlar

Solcherart interdisziplinären, mithin "undisziplinierten" Studien in der Städteregion Aachen, speziell in dem alten Landkreis Aachen, ist das Projekt gewidmet.

Ursprüngliches Primärziel war die Erzeugung eines historischen Geo-Informationssystems für das Gebiet der heutigen Stadt Eschweiler und näherer Randgebiete und die Darstellung dieses Raums in Zeitschichtenkarten, die umwelthistorische Relevanzen darstellen, etwa Klima, Hydrologie, Landschaftsnutzung. Da der Eschweiler Geschichtsverein (EGV), bei dem das Projekt verortet war, die Umweltgeschichte nicht nur – gelinde gesagt – stiefmütterlich behandelt, sondern Anfang 2019 auch ganz abgestoßen hat, habe ich dieses Ziel für Eschweiler zumindest ohne die Ressourcen-Unterstützung, wie aus dem von mir für den EGV gewonnenen und vom RWE-Konzern dotierten "Klimaschutzpreis" 2016, aufgegeben, das Thema indes nicht.

Eine Quellensammlung konzentriert sich nun zunächst auf die Zeit der Agrar- und Forstreformen an der Wende zur Industrialisierung der Landschaft unter besonderer Berücksichtigung der Gemeinheitsteilungen bis zum Ende des Stein- und Braunkohlebergbaus im Aachener Revier. Daten zur Klimageschichte der Region werden zudem in das Tambora-Projekt der Universität Freiburg übertragen und sollen schließlich unter einem Digital Object Identifier (DOI) zusammengefasst werden.

Eine kürzere und etwas andersartige Betrachtung zur Umweltgeschichte findet sich hier:
Der "Blaue Tod": Die Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts. Zur Wirkung im alten Landkreis Aachen und zur Ursache im Ausbruch des Tamboras.

Messer-Lexikon

Dingbedeutsamkeiten/Realienkunde

Haintz Nar, dem "im Arsch das Schindermesser sticht", Illustration zu Kap. 6 "Das Narrenschiff" von Sebastian Brant
Haintz Nar, dem "im Arsch das Schin­der­messer sticht" – über Alter und altern, aus: Sebastian Brant (1494), Das Narrenschiff, Kap. 6 (Bildquelle: Wikimedia Commons)

In der Architektur der Sicherheitsgesellschaft wird einer der frühesten Artefakte der Menschheit, der über hundertausende Jahre gleichermaßen als sechster Finger des Menschen gegolten hat, zunehmend argwöhnisch betrachtet: das Messer. War es für die "Fünf Freunde" in den Kinderromanen von Enid Blyton noch selbstverständlich, ein Messer in der Tasche zu haben, so gibt es heute Trageverbote und die Tendenz geht weiter in Richtung Registrierung und Überwachung. Schon das Plastik-Messer im Micky-Maus-Heft 9/2018, das eventuell noch zum Pudding-Schneiden taugt, echauffiert die Polizei. In der Bilanz der ernsthaften Straftaten mit dem Messer dagegen steht das Küchenmesser in vorderster Front: Nahezu 90 % solcher Straftaten werden mit Küchenmessern verübt. Das wirft die Frage auf, ob hier nicht schon per se reguliert werden soll. Denn das Beisichführen eines Messers war seit jeher auch Ausdruck einer gewissen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Für mich ist das Anlass gewesen, einmal die Geschichte dieses Gebrauchsgegenstands und die Rolle, die er im Alltagsleben gespielt hat, näher zu untersuchen. Herausgekommen ist zunächst eine Zettelsammlung, die nun zu einem Lexikon von A wie "à jour" und "Aberglaube" bis Z wie "Zachel" und "Zwinge" zusammengeführt wird.

Das Lexikon beschreibt Messertypen, ihre Entwicklung und ihren Gebrauch über den Zeitraum vom ersten bekannten Fingerabdruck eines Menschen – im Birkenteer eines Messerhefts der Steinzeit – bis zum EDC, dem "Every-Day-Carry"-Messer unserer Tage, vom Werkzeug bis hin zum Accessoire, vom groben Mordmesser wie beim Mazzatello bis hin zum Mikrotommesser in Heilkunde und Wissenschaft. Es beschreibt Materialien für Klingen vom Silex bis zum modernen Stahlschlüssel einschließlich der Umschlüsselung internationaler Normierungen, für Hefte aus Bein und Holz bis zum Hi-Tech-Kunststoff. Das Lexikon beschreibt aber auch das Messer in der Erinnerungskultur, in der Semiotik, wie es weiter und noch in unsere heutige Sprache in Redewendungen und Sprichwörtern, aber auch in Aberglaube und Kunst eingegangen ist.

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